Kritik – Senden und empfangen

Kritik in Zeiten der sozialen Netzwerke

Gestern war ich arbeiten und schaute nebenbei, wie so oft, auf Facebook was es neues gibt. Ich sah ein Bild von verhängten Schaufenstern eines Dampferladens.

Es folgte, im Nachhinein betrachtet, ein Beispiel wie falsch Kommunikation laufen kann. Es gibt hier 3 Parteien

  1. Der Laden, der nicht weiß oder vorgibt nicht zu wissen, dass Schaufensterwerbung gestattet bleibt ( er ist die passive Partei, da keine Stellungnahme möglich)
  2. Ich, die das Bild sieht und voraussetzt, dass man als Ladenbesitzer die neue Gesetzeslage kennen sollte (was meine falsche Projektion war) und daher provokant fragt, um wen es sich handelt
  3. eine Kommentatorin, die weiß um welchen Laden es sich handelt, mir wiederum dieses Wissen auch unterstellt, und daher daraus schließt ich möge den Laden nicht.

Worum geht es hier? Falsch vorgebrachte und falsch angenommene Kritik.

Was waren die Fakten? Nur ein Bild, eine Momentaufnahme verhüllter Schaufenster.

Welche Gründe und Ziele dahinterstecken wissen wir nicht, aber die Situation zeigt beispielhaft, wie kritikunfähig wir alle geworden sind.
Ich selbst arbeite bei einem Kaffeeproduzenten und bearbeite täglich 50 bis 60 Kundenanfragen, über die verschiedensten Kanäle. Auch hier muss ich bzw. mein Unternehmen viel Kritik einstecken. Ich kann aber von meinen Kunden auch nicht verlangen ihre Kritik so zu verpacken, dass sie korrekt bei mir ankommt, den meine Kunden wissen nicht, wer ihr Anliegen bearbeitet. Für sie ist da nur ein großer Konzern und nicht die einzelnen Mitarbeiter.

Trotzdem reagiere ich zeitweise allergisch auf die Kritik, weil ich als Konsument ein anderes Verhalten an den Tag lege und dieses (ungerechtfertigter Weise) auch von meinen Kunden erwarte.

Wir müssen also lernen objektive Kritik aus subjektiven Darstellungen zu entnehmen. Wir müssen unserem Kritiker reflektieren, was wir daraus gelernt haben und der Kritiker wird verstummen.

Wir müssen aber auch lernen Kritik wieder konstruktiv vorzubringen.

Die Kritik im Bespiel des Ladens hätte lauten müssen:“ warum verhüllt dieser Shop seine Schaufenster? Schaufensterwerbung ist nicht verboten.“

Dann hätte ich vermutlich auch eine entsprechend sachliche Antwort erhalten. Diese hätte mir vielleicht gefallen, vielleicht auch nicht, aber das wäre dann meine Sorge gewesen und nicht ihre.

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