Achtung Hausordnung…

oder wann ist ziviler Ungehorsam angebracht.

Hallo ich melde mich mal zurück. Ich war ein paar Tage im Krankenhaus für einen kleinen Eingriff. Und ich kehre mit neuen Erkenntnissen zurück, die ich zwiespältig betrachte, aber auch zum Nachdenken anregen.

Bevor es ins Krankenhaus ging, sah ich auf Facebook eine junge Dampferin die während der Bahnfahrt heimlich im Abteil dampfte. Sie erntete Kritik, dass würde unserem Ansehen schaden. Da sagte ich: “Falsch, wenn wir uns immer überall das Dampfen verbieten lassen, dann wird sich nichts ändern.”

Fakt ist, dass es keinen Nachweis für Passivdampf gibt und dass es daher keinen Grund gibt, Mitmenschen in der Öffentlichkeit, sei es Bahn, Restaurant oder Bahnhof, vor dem Dampf zu schützen. Aber Vorsicht, wenn man euch erwischt, kann es unter Umständen teuer werden. Bei den ÖBB mindestens 40 Euro. Bei den Wiener Linien schon deutlich mehr (ich glaube zwischen 80 und 100 Euro). Dies ist keine gesetzliche Verordnung sondern nur die Hausordnung, diese akzeptieren wir durch die Nutzung des Ortes.

Rechtlich gesehen, kann nur der Betreiber eines Restaurants oder die ÖBB selbst vom Staat zur Kasse gebeten werden, wenn in einem gesetzlich vorgeschriebenen Nichtraucherbereich geraucht oder gedampft wird.

Was hat das jetzt mit dem Krankenhaus zu tun? Ganz einfach, im Gegensatz zu früher, gibt es auf den Stationen keine Raucherräume mehr, obwohl dies gesetzlich möglich wäre, ich habe aber zu keiner Zeit eine Hausordnung erhalten, die eine Strafe bei Nichteinhaltung androht und während ich vor der OP brav nach draußen marschiert bin, um zu dampfen, habe ich dies nach der OP nicht gekonnt. Um niemanden zu belästigen habe ich also im leeren Aufenthaltsraum, bei offenem Fenster ein paar Züge leckeren Dampf inhaliert. Wobei sich das auch in Grenzen hielt, denn in diesem Zustand, war dies mehr ein Versuch gegen die Langeweile anzukämpfen und Bewegung zu bekommen, weil ich zum lesen zu kaputt war.

Was ist die Essenz des Ganzen? Ziviler Ungehorsam ist angebracht, wenn ich damit selbst nicht schadet und wenn dem Gesetz unnötig vorausgeeilt wird. Aber bitte sucht immer erst das Gespräch. Klärt auf.

Ein Lokal mit getrennten Arialen kann das Dampfen gestatten und muss deshalb nicht auch das Rauchen gestatten. Dies ist bis 2018 eine gute Alternative. Es ist auch möglich, das Dampfen wieder aus dem Tabakgesetz heraus kommt (vor allem im Zuge der Klagen).

Ich selbst dampfe aus Genuss, aber zugegeben auch aus Trotz. Und manchmal dampfe ich nur, weil ich es kann und es mir nicht nehmen lasse, weil ich damit niemanden schade. Das heißt aber nicht, dass ich keine Rücksicht auf meine Mitmenschen nehme.

Wenn sich jemand gestört fühlt, dann nehmt Rücksicht soweit es euch möglich ist, aber nur wenn euch dadurch kein Nachteil entsteht. Das jemandem der Geruch nicht gefällt, heißt nicht, dass ihr euch in die Winterkälte verziehen müsst, manchmal muss auch ein Kompromiss gefunden werden.

Wie heißt es so schön, durchs Reden kommen die Leute zusammen.

3 Kommentare zu Achtung Hausordnung…

  1. Sehr gut, dass du relativierst und zuerst auf das Gespräch setzt. Und genauso gut finde ich dein Aufmerksam-Machen, was ziviler Ungehorsam letztendlich bedeutet. So viele Menschen mit großer Klappe habe ich schon erlebt, die sagen, sie ließen sich das Dampfen nie, nie, niemals verbieten und seien bereit, dafür in den Knast zu gehen. Vor dem Knast kommt aber die empfindliche Geldstrafe, vor dem Knast kommt der Mahnbescheid und die Lohnpfändung, ggf. ist keine Kontodeckung dann mehr für die üblichen Lebenskosten vorhanden, das bedeutet Schulden, nicht eingelöste Daueraufträge, Rücküberweisungen. Peinlichkeiten obendrein, der Arbeitgeber wird von der Lohnpfändung unterrichtet und, und, und – das alles vor einem möglichen Knastaufenthalt wegen naiv-romantisch klingenden Kampfbegriffs des zivilem Ungehorsams, denn deswegen geschieht einem heute in Mitteleuropa nichts klassisch-gandhi-mäißges mehr. Aber wehe, du wirst als renitent eingestuft und durch anhaltenden zivilen Ungehorsam einer psychologischen Begutachtung zugewiesen – das kann alles ganz schnell ins gesellschaftliche Aus führen, zum Verlust des Arbeitsplatzes, der Freunde, der Wohnung. Die Familie leidet mit, wird kollektiv zum Co-Bestraften deines zivilen Ungehorsams. Und am Ende steht kein schicker Knast, sondern die medikamentöse Ruhigstellung während des Aufenthalts in der Psychiatrie.

    Die große Klappe Vieler schließt sich wohl meist irgendwo auf diesem Weg von ganz allein. Heute gibt es viele subtile und effiziente Mittel, den Bürger gesetzestreu zu halten. Der zivile Ungehorsam ist wichtig, doch es sollte jedem bewusst sein, was die Konsequenzen für einen selber bedeuten können.

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