Die neuen Medien

Facebook, Twitter, Blogger und Fakenews

In letzter Zeit ist oft die Rede von Fakenews und wie Facebook dagegen angehen solle. Interessanterweise wird beim Begriff Fakenews nicht unterschieden zwischen Postings von Privatpersonen mit und ohne bearbeiteten Screenshots und tatsächlichen Fakenewsseiten. Erst vor kurzem stieß ich auf eine Seite, die den Eindruck machte, sie sei von der Washington Post, aber sie war ein Fake, ein Nachbau in WordPress. So etwas gibt es natürlich auch für andere international große Formate.

Erkennbar ist der Fake aber sehr leicht. Denn während die Adressen oft sogar recht offiziell anmuten (hier wird sogar Geld in passende Domainnamen investiert), fehlt den meisten Seiten ein Impressum (warum dieses nicht mitkopiert wird hat vielleicht rechtliche Gründe) und ein Blick in den Quelltext verrät, dass es eine WordPressinstallation dahinter steckt. Dies trifft natürlich nicht auf alle Seiten zu, aber WordPress bietet eben eine Nutzerfreundlichkeit, hat man eine Seite erstellt und mit ausreichend Artikeln bestückt, muss man diese nur noch exportieren und kann weitere Seiten erstellen und plötzlich gibts da die Washington Post, die NY Times, die London Times und viele mehr. Damit hat dieses Jahr ein Dampfer die Leute schön in den April geschickt. In seinem Blog wies er auf eine Gesetzesänderung in China hin und gab an, dass alle Hersteller bei Großrazzien geräumt wurden, als Quellen wurden dann die Fakeseiten verlinkt (praktisch weil man den Link anders betiteln kann).

Der Scherz kam nicht gut an in der Community, aber ich sage Chapeau für den Aufwand der hier betrieben wurde.

Aber genau das ist das Problem.

Auf mimikama.at betreibt man jede Menge Aufklärungsarbeit gegen Fakenews und als erstes wird darauf verwiesen Quellen zu prüfen, gibt es die Information auf mehr als einer Seite. Aber wenn es so einfach ist, falsche Informationen als Nachrichten zu tarnen, dann hilft auch die Recherche nicht mehr viel. Vor allem, wenn die Beiträge suchmaschinenoptimiert erstellt werden, so dass die Suche nach z.B: „E-Zigarettenverbot in China“ genau diese Seite auswirft.

Und hier wirds problematisch. Der Nutzer glaubt eher der offiziell wirkenden Nachrichtenseite, als zum Beispiel einem Blogger, der ohne Maskierung einfach als er selbst auf seinem/ihrem Blog Menschen informieren will. Wie genau will man dagegen angehen. Wie will Facebook Fakenews bekämpfen, es ist bereits eine Menge Aufwand diese zu identifizieren.

Ein Meldebutton für Fakenews führt zu Missbrauch, der entweder darin endet, dass alles mögliche gelöscht wird (auch echte Nachrichten, die jemanden nicht gefallen) oder aber, dass nichts gelöscht wird, weil man sowieso nicht hinterher kommt.

Ein einfaches Beispiel. Ich habe ein Bild von einem Zeitungsartikel gepostet. Daran war jetzt nichts Fake, aber trotzdem habe ich die Kontrolle über dieses Bild binnen kürzester Zeit verloren, denn dieses Bild wird nicht einfach geteilt, es wird kopiert und neu rein gestellt. Dasselbe passiert mit Fakenews. Man kann sie nicht verhindern. Man kann nur die echten Medien in die Pflicht nehmen. Nur wenn die Medien aufhören Klicks zu sammeln, sondern sich wieder auf echte Recherche konzentrieren und ihre Artikel mit nachvollziehbaren Quellen ausstatten, steigt der Informationsgehalt und damit auch die Allgemeinbildung in der Bevölkerung. Dann fällt man so leicht nicht mehr auf Clickbaitartikel rein.

Das gilt für die anerkannte Presse genauso wie für Blogger. Information muss gut recherchiert und aufbereitet sein. Und auch Facebook und Twitteruser müssen lernen, nicht alles ungeprüft und oftmals sogar ungelesen zu verteilen. Erst lesen, dann bewerten und wenn man das gelesene als wertvoll erachtet, dann sollte man den Artikel teilen.

Als Blogger freut mich zwar jeder Share und jeder Klick, aber wenn in Wahrheit nicht gelesen und verstanden wird, was ich schreibe, dann kann ich auch zum altbewährten Tagebuch greifen und meine Gedanken für mich behalten und warten, dass ich nach meinem Tod gefeiert werde wie Thomas Bernhard.

Während ich von Informationsmedien, wie der Presse objektive Berichterstattung erwarte, sind Blogger natürlich subjektiv. Sie zeigen ihre Sicht auf die Dinge und man kann, aber muss dem nicht zustimmen. Wichtig ist, dass die Information von der Meinung ausreichend abgegrenzt wird. Damit man Leser nicht verschreckt, die eine Information aber dringend gebraucht hätten, die man selbst zu bieten hat.

Auch ich habe meinen Schreibstil immer wieder gewandelt um auf einen Level zu kommen, der nicht mehr so emotional ist, aber trotzdem nicht so sachlich, dass es trocken wirkt.

Ich will informieren, ich will aber auch Lösungen aufzeigen oder wie hier auch Probleme ansprechen, die nicht so leicht lösbar sind, auch wenn Politiker gerne Populismus mit Fakenews oder Hasspostings betreiben. Eine echte Lösung haben diese auch nicht anzubieten. Denn das Ganze (vor allem das Internet inkl Sozialer Medien) ist einfach ein Selbstläufer geworden und nur wenn jeder seinen Teil beiträgt, in dem er lernt zu hinterfragen, können wir wieder zur Informationsgesellschaft werden.

Also erst lesen und verstehen, dann teilen und kommentieren.

Liebe Grüße

Eure Lilith

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