Der Schuss ging nach hinten los

… und zwar mächtig.

Man wirft mir gerne vor ein Gutmensch zu sein. Das bin ich nicht. Ich bin Realist. Ich beurteile Menschen nachdem ich sie kennen gelernt habe. Ich versuche beruflich immer mit allen professionell zusammen zu arbeiten. Ich bin eben offen für alles. Aber ja es gibt linke Gutmenschen und es gibt rechte Rassisten. Und genauso oft wie sich die Rechten mit Fakenews in die Nesseln setzen, machen das auch die Linken.

Vor kurzem machte eine fiese Attacke in Berlin die Runde durch die sozialen Medien.

Bevor man wusste wer der Täter war, kursierte das Video mit dem Zusatz “Afghanengang” durch Facebook. Da der Täter unbekannt war, war klar es handelt sich um ein rassistisches Vorurteil von rechts. Gerne werden bei den Rechten aktuell auch Herkunft und Religion vermischt. Irgendwer hat immer irgendwen “Allu… sonstwas” schreien hören.

Dumm? Ja definitiv.

Aber nun kommen die Linken, die freuen sich wie die Kleinkinder zu Weihnachten, weil der Täter ein Bulgare und zufällig Christ war.

Dumm? Aber sowas von, weil für die Rechten reicht, dass es ein Bulgare und somit ein Ausländer war. Die werden nicht, wie im gefundenen Meme angedeutet, jetzt ganz ruhig sein, sondern umso mehr schreien.

Was bleibt ist, dass hier ein asoziales Arschloch eine Frau die Treppe runtergetreten hat. Seine Motive sind der Polizei inzwischen wohl bekannt, aber es wurde noch nichts veröffentlicht. Ich bin mir aber sicher, dass es die Tat wohl kaum rechtfertigt. Denn in einem Rechtsstaat gibt es de facto nichts, dass Gewalt von Privatpersonen rechtfertigt. Hätte die Frau irgendetwas verwerfliches oder gar kriminelles getan (was ich nicht annehme), so gibt es andere Wege. Wenn wir aber immer nach dem Lynchmob rufen, egal ob gegen Ausländer, gegen Nazis oder gegen Verbrecher, dann dürfen wir nicht erwarten, dass der Rechtsstaat funktioniert.

Wie kann ich von meinem Mitbürger erwarten sich an die Gesetze zu halten, wenn ich es selbst nicht tue, sobald Emotionen wie Wut, Hass oder Angst mitspielen.

Wir werden von den Medien im digitalen Zeitalter mit viel Input gefüttert. Umso wichtiger ist es, alles nüchtern zu betrachten.

Die Leute sind oft verwundert wie ich so kalt sein kann. Das bin ich nicht. Aber ich lasse mich von den Medien nicht mehr emotional vereinnahmen.

Klar als ich das Video sah dachte ich mir auch nur so “Arschloch” und dann habe ich nur noch geschaut ob im Video mehr zu erkennen ist, ob der Frau geholfen wurde (was auch passiert ist) und das war für mich genug. Ich wusste, ich kenne diesen Menschen nicht und somit ist diese Information, die zur Fahndung gestreut wurde, ad acta gelegt, denn sie betrifft mich nicht.

Also hört auf euch emotional reinziehen zu lassen.

Wenn vermisste Personen auf Facebook gesucht werden, hilft es den Angehörigen nicht, wenn sie 1000 Kommentare nach Hinweisen durchforsten müssen, weil jeder seinen Verdacht äußert, welche Gesellschaftsgruppe darin verwickelt sein muss. Nein wenn ich einen Aufruf sehe und dieser meine Umgebung betrifft, versuche ich mir das Bild einzuprägen und sollte ich die Person sehen, dann werde ich helfen. Aber ich werde mich nicht emotional darauf einlassen. Die Betroffenen egal ob Verbrechensopfer oder vermisste Kinder oder Partner brauchen keinen emotionalen Mob, sie brauchen nüchterne Analysen. Deshalb werden Polizisten von Fällen abgezogen, die sie betreffen. Sie wären emotional kompromittiert und nicht mehr objektiv.

Manchmal solltet ihr nicht kommentieren, sondern einfach weiterscrollen. Nicht abstumpfen aber auch nicht ausrasten.

Man muss sich das nur vorstellen. Schauspieler, die in Game of Thrones einen fiesen Charakter spielten, wie Geoffrey, the Waif oder Ramsay, werden im echten Leben bedroht. 2 von diesen haben sich aus der Schauspielerei zurückgezogen, weil die Menschen nicht mehr objektiv sein können.

Ich meine, ja ich habe King Geoffrey mit tiefster Inbrunst gehasst und vor dem TV gejubelt, als er sein Ende fand, aber ich kenne nicht mal den Namen des Schauspielers noch würde ich ihn für seine Rolle verantwortlich machen. Nichts von dem ist wirklich passiert.  Und auch hier zeigt sich, dass wir zu emotional sind.

Also bleibt manchmal einfach sachlich. Emotionale Diskussionen kann man im Kreise seiner liebsten führen aber nicht in den sozialen Medien mit wildfremden Menschen.

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