Wie uns das Internet die Energie stiehlt

Gestern habe ich abends eine alte Folge von “Hirschhausens Quiz des Menschen” gesehen.

Ich mag Hirschhausen, er ist jetzt keiner von den Schenkelklopfer Komödianten sondern eher subtiler und deshalb schau ich mir auch diese Sendungen gerne an.

Multitasking als Schwäche

Das Thema der Show war Multitasking und eine wichtige Erkenntnis dazu.

Menschen wollen immer multitaskingfähig sein, weil sie es als Stärke ansehen. Tatsächlich ist es eine Schwäche.

Multitasker sind unkonzentriert, fehleranfällig und vergesslich.

Passt alles extrem gut zu mir.

Das Internet leert nicht nur Handyakkus

Mein neues Handy hat einen mittelgroßen Akku (über 3000 mAh) aber wenn ich das Handy morgens mit vollem Akku mitnehme und dann bei der Arbeit auch nur stündlich meine Nachrichten checke, ist es abends schon bei 40%. Der Grund ist das Internet. Zuhause schalte ich das Handy in den Energiesparmodus. Es funktionieren dann nur noch die Klassiker, ich bin telefonisch oder per SMS erreichbar. Keine Benachrichtigungen von Facebook, Twitter, Instagram und all den anderen Apps, die einem das Gefühl vermitteln wichtig und begehrt zu sein. In diesem Zustand braucht das Handy 1% Akku pro Tag (!) sofern niemand anruft. Ich könnte also 3 Monate erreichbar sein, wenn ich auf Internet verzichte.

Nicht nur dem Handy sondern auch uns stiehlt das Internet im täglichen Leben Zeit und Energie.

Wenn wir jemanden erreichen wollen und dieser nicht sofort antwortet ( der Zwang der ständigen Erreichbarkeit), dann werden alle Kanäle genutzt.

Ich arbeite zum Beispiel im Kundenservice im Büro.

Wir haben eine gebührenfreie Nummer, wir haben Facebook, E-Mail und ein Kontaktformular. In letzter Zeit war sehr viel los. Das Kundenaufkommen hat sich vervielfacht. Warum? Weil wir nicht sofort erreichbar waren. Es konnte schonmal ein paar Minuten dauern bis jemand abhebt, da alle am telefonieren waren. Was macht der Kunde, er schreibt eine Beschwerde per Kontaktformular, weil er uns telefonisch nicht erreicht hat. Die Beantwortung dieser dauert aber noch erheblich länger, den während am Telefon Leute mal auflegen und man in der Warteschlange nach vorne rutscht, müssen die E-Mails alle bearbeitet werden. Also folgt dann auch noch eine Beschwerde auf Facebook weil Zitat ” ihr es offenbar nicht für wert haltet euren Kunden zu antworten”. Tja mitdenken ist eine Schwäche bei Kunden. Da ich schon lange im Kundenservice bin, sehe ich das nicht so eng und gebe Unternehmen meistens viel Zeit zu antworten und wenn ich wirklich gleich eine Antwort brauche bleibe ich immer am Telefon hängen.

Aber wie ihr seht, man verwendet lieber viel Energie in Form des Internets um sich zu beschweren, weil man keine Zeit am Telefon verschwenden will (auch wenn der Anruf nichts kostet).

Mal abgesehen davon, dass ich unsere Kunden insbesondere für undankbar halte (das hatte ich in 3 anderen Firmen davor noch nie), stiehlt uns das Internet die Zeit. Es wäre tatsächlich einfacher würden wir bestimmte Kanäle im Internet einfach schließen und den Kunden auf das Telefon beschränken (und E-Mail nur als Gehörlosenservice anbieten) und auf Facebook die Kommentarfunktion komplett ausschalten. Dann würden einige vielleicht darüber nachdenken ob manches wirklich so wichtig ist, dass sie es uns unbedingt mitteilen müssen.

Den während ich mir bei meinen Blogs oft mehr Feedback wünschen würde (und ganz überrascht bin wenn es mal eintritt), geht die Feedbackkultur im Konsumbereich eindeutig zu weit und ich bezweifle den Mehrwert für Unternehmen, wenn man den Kunden die Option bietet sich öffentlich auf Facebook zu beschweren.

Es wird der Tag kommen, an dem ich offiziell meinen Job kündige, weil es mir auch reicht, weil gerade bei uns den Kunden zu sehr in den Arsch gekrochen wird. Weil die das schon gewohnt sind und immer mehr Forderungen stellen. Forderungen, die man bei anderen Herstellern unserer Branche nicht mal stellen kann, weil diese keinen so umfassenden Kundenservice haben. Mit Glück findet man eine bunte Website mit einer FAQs, kein Kontaktformular, keine Telefonnummer und schon gar kein Facebook oder Twitter.

Haltet ein!

Lasst euch nicht eure Zeit und Energie vom Internet stellen. Lest mal ein Buch, erledigt den Haushalt und wenn ihr dann noch Zeit habt, dann geht mal raus und nehmt eure Umgebung wieder wahr statt euch ins Smartphone zu vertiefen.

 

3 Kommentare zu Wie uns das Internet die Energie stiehlt

  1. Einspruch Euer Ehren:

    Richtig ist, dass das Internet wirklich viel Energie kostet. All die vielen Server, auf denen all die vielen Dinge laufen, weswegen es sich lohnt, das Internet zu nutzen und dabei ebenfalls Energie zu verbrauchen.

    Mit der richtigen App wird einem, so man das braucht, auch nicht der Akku durch Facebook geleert. http://www.henning-uhle.eu/mobil/facebrio-die-facebook-app-die-das-smartphone-nicht-abtoetet

    Energie kostet mich als User, wenn die Überschrift nicht zum Inhalt passt. Das erlebe ich in jüngster Zeit bei Dir öfter, daher heute mal etwas ausführlicher zu diesem Blogartikel.

    In der Hauptsache geht es Dir heute z.B. nicht um Strom, auch wenn Du davon ausgehend eine nette Brücke schlägst zur Lebensenergie.

    Du hast das Gefühl, sie wird Dir als Mitarbeiterin entzogen. Doch Schuldige identifizierst Du an der falschen Stelle. Es liegt nicht am Kunden, sondern am ineffiziente Kontaktmangagement Deiner Firma.

    Als Kunde habe ich also ein Problem mit einem Produkt. Mir werden mehrere Kommunikationskanäle angeboten. Und weil ich eine Lösung möchte, um mich wieder anderen Dingen zuwenden zu können, klappere ich wahrscheinlich nacheinander die angebotenen Kanäle ab. (ich natürlich nicht, weil mein erster Griff eben nicht das Telefon ist, wie bei den meisten anderen Menschen)

    Wenn mir die Firma nicht zunächst mitteilt, dass die Beantwortung soundsolange dauert, gilt in meinem Kopf die Frist meiner eigenen Erwartungshaltung. Wird die überzogen und ich habe zusätzlich möglicherweise ein frustrierendes Leben, dann nimmt die Sache ihren Lauf mit rumproleten.

    Mein Problem löst sich nicht, wenn ich statt dessen die Internetleitung kappe und ein Buch lese.

    Tatsächlich will ich aber nicht bestreiten, dass User manchmal eine Anspruchshaltung an den Tag legen, bei der man nur den Kopf schütteln kann.

    Du weißt, ich betreibe das Strickmühlenmuseum. Weltweit einzigartig
    – mit korrekten Steckbriefen,
    – mit Prüfung, was die Gebrauchsanweisungen taugen
    – mit Videoanleitungen für ihren Gebrauch.
    – mit Ideen und Tipps was man aus dem Gestrick machen kann etc.

    Obendrein zeige ich beispielsweise in einem Video, wie man die Einzelteile einer Strickmühle wieder zusammen setzt, die beim versehentlichen Herunterfallen, auseinander gesprungen ist.

    Und was für einen Kommentar musste ich gestern beantworten? Ein User beklagt sich, dass er dieses Video gefunden hat. Und dass ich darin nicht zeigen würde, wie man so eine Strickmühle auseinander nimmt.
    Paradox, denn ich arbeite mit möglichst aussagekräftigen Überschriften.
    So, als würde man einem YouTuber, der zeigt, wie man einen Kuchen backt und das auch im Titel so benennt, vorwerfen, er würde in diesem Video nicht zeigen, wie man Fenster putzt.

    Da bleibt mir dann auch mal die Spucke weg ob der Anspruchshaltung. Denn ich bin nicht der Hersteller. Ich bin nicht der Händler. Der User zahlt auch nicht den Platz und die Energie, damit das Strickmühlenmuseum auch im Internet rund um die Uhr und Jahr für Jahr präsent ist, geschweige denn interessieren meine Anschaffungskosten solcher Strickmühlen, oder die der Kamera oder meinen Einsatz, sowas zu können und zu erklären etc.
    http://www.strickmuehle.com/comment/793#comment-793

    Internet und Reallife beeinflussen sich gegenseitig immer mehr. Es liegt in der Tat an uns allen, ein ausgewogenes Verhältnis zu finden.

    Das geht in meinem geschilderten Fall schon damit los, dass User sowieso schon eine vollkommen falsche Grundeintstellung haben. Etwas, das sie weiter bringt gefunden zu haben, wertschätzen sie höher, als den Urheber.

    Dabei produziert unsereins nicht nur den Inhalt, finanziert sogar die Zurverfügungstellung, nein man tut auch noch viel dafür, dass es sehr leicht zu finden ist.

    Genau genommen sind wir alle als User elende Schmarotzer. Und dabei kann es vorkommen, dass wir die Fähigkeit verlieren, selbst zu denken.

    Um das wieder zu trainieren, sollten wir tatsächlich mal Handy, Rechner, Radio und Fernseher aus lassen, das Buch zuklappen und eine normale körperliche Arbeit im Haushalt verrichten, damit wir nachdenken können.
    Multitasking eben – das funktioniert eben doch und hat nicht zwingend was mit Oberflächlichkeit zu tun.

    1. Tja ich habe heute auch die Fenster geputzt und die Wohnung aufgeräumt. Muss man ja sowieso mal machen.

      Hier auf Lilith’s Welt schreibe ich ja in erster Linie um meine eigenen Gedanken zu sortieren. Am Ende finde ich für mich dadurch immer ein Ventil und manchmal auch eine Lösung. Und das ich die aufschreibe ist gut, denn ich habe wirklich ein Hirn wie ein Nudelsieb. Ich weiß ich wollte meinem Chef einen wichtigen Vorschlag machen, aber mein Chef ist selten greifbar und ich habe es vergessen.

      Ich schreibe ja bewusst nie wo ich arbeite, aber falls du es noch weißt dann kannst du dir alles anschauen. Es liegt nicht am Kunden oder nur bedingt. Ich bin als Kunde deutlich geduldiger weil ich weiß was im Hintergrund alles läuft. Aber es liegt sogar sehr an der Firma und daran, dass wir der Single Point of Contact sind, aber andere die weit weg vom Kunden arbeiten die Entscheidungen treffen.

      Nach einer harten Woche ( und das gilt zur Zeit für jede Woche) kann ich mich nur noch aufregen und dann schreibe ich. Und dann gehts mir besser. Da machts mir auch nichts, dass der Text oft nicht zur Überschrift passt.
      Bei meinem Dampferblog bemühe ich mich da schon mehr, aber manchmal kommt am Ende was anderes raus, als ich ursprünglich geplant habe, dann wird der Titel ggf. auch geändert, wenn mir den ein schlüssiger Titel einfällt.

      Jedenfalls aber ist Kritik immer wichtig und wenn dir sowas auffällt, dann bin ich immer für Vorschläge offen.

      Manchmal kann ich aber nicht auf alles eingehen, denn während ich Sonntags auch mal tatsächlich gelangweilt am Rechner sitze, habe ich die meiste Zeit das Gefühl völlig überfordert zu sein.
      Das wird sich aber hoffentlich bald ändern, ich plane ja bereits eine berufliche Veränderung.

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar.

      Lg Elli

    2. Elli, Du machst das gut, dass Du Deinem Text Zwischenüberschriften verpasst. Das hilft unsereins, den Text zu scannen, vor dem Lesen.

      Und dass man beim Schreiben seine Gedanken ordnen, sowie seine Gefühle verändert, da stimme ich Dir auch zu. Das ist ja nichts Falsches.

      Wie wäre es, wenn Du einfach drauf los schreibst und Dir als zwingenden eigenen Arbeitsschritt angewöhnst: 1. erst zum Schluss die Zwischenüberschriften über die UnterThemen zu formulieren,

      1.1 ggf. nochmal die Absätze vertauschen, falls man gedanklich hin und her gesprungen ist,

      2. dann daraus den Theaser und

      3. erst ganz zum Schluß die Hauptüberschrift formulierst?

      4. Dann folgen noch mal durchlesen wegen Rechtschreibung und Grammatik und dann die Veröffentlichung.

      Wenn das an einem Tag nicht zu schaffen ist, ist es ja kein Problem, den Artikel unveröffentlicht abzuspeichern.

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