Raus aus der Schublade und weg mit dem Tunnelblick

vor einer Weile geisterte eine Studie durch die sozialen Netzwerke.

Es war eine Marktstudie die von vonErl beauftragt wurde. Daran ist nichts verwerfliches und ich habe auch daran teilgenommen, aber am Ende ist sie für uns Dampfer und auch für vonErl nutzlos.

Ich bin durch den Brief von Philgood wieder drauf gekommen.

Der Brief war gut. Ich habe nichts daran auszusetzen. Ihr könnt ihn hier auf Facebook nachlesen. Aber wenn etwas auf Facebook ist, gibts auch immer viele Kommentare und die habe ich mir auch angesehen und dabei wieder an die Umfrage von vonErl gedacht.

Philgood bezeichnet uns Dampfer als gesundheitsbewusste Bürger, die wegen der Gesundheit das Rauchen aufgegeben und das Dampfen angefangen haben.

Und da ist ein Denkfehler drinnen. Wir haben keine repräsentativen Umfragen, die diese Aussage bestätigen. Einige Kommentatoren schieben Phil daher in die NRT Fraktion, was wiederum nicht richtig gedacht ist, denn Phil sagt ja dass die Leute nach einer Alternative gesucht haben und nicht nach einem Aufhörmittel.

Ausgehend von den ausführlichen Geschichten auf http://exraucher.org haben die wenigsten aufhören wollen. Sie waren entweder neugierig, weil sie bereits Dampfer kannten oder sie waren mit dem Geld knapp oder eben tatsächlich gesundheitlich beeinträchtigt. Aber aufhören wollte keiner, denn wenn man wirklich aufhören will, dann klappt das auch mit NRTs weil man eben die Willenskraft hat.

Die Umfrage und Phil sagen also, dass die Leute mehrheitlich aufhören wollten und das ist nicht belegbar, den Phil kann sich nur auf Umfragen in der Community verlassen und die Umfrage wurde nur in der Community gemacht. Nun haben wir (und da nehme ich mich nicht aus) aber gerade wegen des langen Kampfes gegen falsche Anklagen des Dampfens einfach in die Position des Nichtrauchers versetzt. Wir haben uns eine Schublade gesucht und da rein begeben.

Natürlich stimmt das, wir sind Nichtraucher und das setzt voraus, dass wir mit dem Rauchen aufgehört haben.

Aber wollten wir das ursprünglich alle? Ich wollte das nicht. Ich wollte den positiven Effekt des Rauchens beibehalten, ich wollte nicht mal die schädlichen verringern, ich wollte nur weniger Geld ausgeben ( und in den meisten Monaten klappt das auch 🙂 ).

Aber was ist mit all den anderen Dampfern, die sich nicht als Dampfer sehen? Die nicht in einer Community sind, die sich vielleicht sogar immer noch als Raucher sehen, nur eben jetzt elektrisch statt durch Verbrennung. Können wir für all die sprechen und sagen, dass die Leute dampfen, weil es gesünder ist ( was es erwiesenermaßen ist, sogar völlig harmlos nach der aktuellen Faktenlage). Können wir sagen, dass Dampfer gesundheitsbewusste Menschen sind? Ich glaube nicht.

Wir werden immer die selben Antworten auf Umfragen bekommen, weil wir immer die selben Leute fragen und die Fragen oft auch suggestiv gestellt werden.

Und ich glaube, dass wir selbst das Dampfen als neues Genussmittel unserer Gesellschaft noch nicht erfasst haben.

Denn das ist es wenn man alles andere mal beiseite schiebt.

Ein Genussmittel.

Ein Genussmittel muss nicht

  • harmlos sein
  • beim Rauchstopp helfen
  • gesundheitsbewusst sein
  • übermäßig reguliert sein
  • billig oder teuer sein

Ein Genussmittel muss nur Genuss sein, für den ein oder anderen, nicht für jeden. Manche werden es ausprobieren und dann wieder lassen. Vielleicht gleichzeitig oder abwechselnd zur Zigarette greifen. Vielleicht dazu einen Cocktail oder Kaffee trinken. Vielleicht Schokolade lieber essen als dampfen.

Das ist alles okay.

Klar heute kommt man auch als Otto-Normal-Bürger um die Berichterstattung zur E-Zigarette kaum herum. Und während die Medien sie als unsicheres Aufhörmittel mit unbekannten Risiken propagieren wird sie von Gesundheitsbehörden und -organisationen lieber in einen Topf mit Zigaretten, Zigarren und Shishas geworfen.

Beides ist eine Schublade die einfach zu eng ist. Eine Begriffsverwirrung, die wir zum Teil uns selbst, zum Teil den Medien und den Gesundheitsaposteln zuschreiben können.

Wir selbst und die Politik und die Medien müssen lernen, dass Genussmittel Liquid gesondert zu betrachten.

Zur Verdeutlichung noch eine kleine gebastelte Grafik.

 

Liquid und E-Zigaretten oder Dampfgeräte, wie man sie auch immer nennen mag, passen nicht in die vorhandenen Kategorien. Sie müssen kein Nikotin enthalten. Sie können aber müssen nicht süß schmecken. Sie erzeugen keinen Rauschzustand wie Alkohol. An dieser Stelle versagen nicht nur Politik und Medien sondern oft genug auch wir.

Wir empfehlen das Dampfen nur jenen Menschen die Rauchen. Wir sagen, Nichtraucher sollten nicht zu dampfen anfangen, viele bezeichnen das sogar als Dummheit.

Warum eigentlich? Wenn wir doch bisher keine negativen Folgen des Dampfens kennen. Warum sollten wir dann nicht auch interessierten Nichtrauchern einen Zug gönnen und sie genau so informieren und beraten wie wir es mit Rauchern tun. Wollen wir selbst das Dampfen für alle Ewigkeit als NRT einzementieren? Wo wir es doch selbst nicht als solches nutzen.

Hand aufs Herz: Wer da draußen dampft länger als 6 Monate und tut dies immer noch um nicht zur Zigarette zu greifen. Die Tabakabhängigkeit ist längst überwunden.

Wir sollten uns selbst von außen betrachten und uns fragen was wir sehen.

Sehen wir Raucher, Nichtraucher, Dampfer? Oder sehen wir jemanden der an einem Gerät zieht und danach eine Wolke ausatmet die lecker riecht und ihm/ihr ein zufriedenes Lächeln entlockt.

Wenn wir jemanden den sehen, der etwas aus einer Tüte isst oder aus einem Becher trinkt, dann entscheidet nur die Reaktion des Beobachteten was wir in der Tüte und dem Becher vermuten.

Also raus aus dem Schubladendenken und weg mit dem Tunnelblick. Lasst uns einfach mal genießen. Denn das werden uns auch die verbohrte Politik und die ahnungslosen Medien nicht nehmen können. Ich pfeife auf die Schublade und bin einfach ein glückliches ICH, kein bisschen gesundheitsbewusst, ich mache einfach nur das was mir Spaß macht und dazu gehört das harmlose Dampfen, das gesunde Training, die Kalorienbomben von Starbucks und viel zu langes Fernsehen und das ist völlig in Ordnung, weil ich es so will.

Und wenn ihr mich auf der Straße seht und euch fragt was ich für eine Schublade bin, dann akzeptiere ich nur eine: MENSCH

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Das ist jetzt deutlich länger geworden als geplant und ich finde keinen wirklich passenden Titel dafür, ich hoffe ihr könnt damit was anfangen.

LG eure Lilith

Ein Kommentar zu „Raus aus der Schublade und weg mit dem Tunnelblick

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